Ecce Homo: Eine Künstlerin macht ernst (Satire)

Die spanische Pensionistin Cecilia Gimenez, die das Jesus-Gemälde „Ecce Homo“, das dem ebenfalls aus Spanien stammenden Maler Elias Garcia Martinez (1858-1934) zugeschrieben wird, so restauriert hat, dass ein neues Kunstwerk entstand, hat einen Teil ihrer Pläne jetzt entschleiert: Sie will Geld.
Geld, das die Kirche von Borja, die bis dato nur Klerikal-Aficionados bekannt war, ohne ihre „Restaurationsaktion“ nie eingenommen hätte, wie sie behauptet. Daher will sie nun Klage einreichen. Man muss zugeben: Die Argumentation hat was. Doch es kommt noch mehr hinzu.

War Jesus eine Frau? Die Interpretation von Cecilia Gimenez legt diese Vermutung nahe. © Elias Martinez bzw. Cecilia Gimenez

Aktionskünstlerin, Feministin und Kauffrau
Überall auf der Welt wird der guten Cecilia Gimenez unterstellt, sie sei ein älteres Mütterchen, das in grenzenloser Naivität und aus reiner Gottesliebe gehandelt habe.
Diese Sicht der Dinge muss revidiert werden!

Wir behaupten, dass Frau Gimenez mit ihrer Aktion zunächst ein die Kommerzialisierung von Kunst betreffendes ökonomisches Exempel statuieren wollte, bei dem selbst Andy Warhol die Ohren angelegt hätte.

T-Shirts, Tassen und noch mehr
Sie hat eine Wertschöpfungskette in Gang gebracht, deren Auswirkungen noch nicht absehbar sind. Wir dürfen auf eine Merchandise-Lawine mit T-Shirts, Umspringbildern, Postkarten, Bildschirmhintergründen, Kaffeetassen und vielem mehr gespannt sein, die der Region und vielleicht sogar dem angeschlagenen Spanien einen wichtigen wirtschaftlichen Impuls geben werden.

„Frau Jesus Christus“
Andererseits, und das wiegt freilich viel schwerer, hat Frau Gimenez in einer Zeit, in der die religiöse Radikalisierung zunimmt, dem christlichen Selbstverständnis einen verheerenden Schlag versetzt: Indem sie Jesus Christus in ihrer Übermalung als Frau darstellt, legt sie einen radikalen Gegenentwurf zur christlichen Tradition vor, der das römisch-katholische Weltbild empfindlich beeinflussen könnte.

Vom Bild des gottesfürchtigen Mütterleins, das einfach ihre malerischen Fähigkeiten überschätzt hat, bleibt am Ende nicht viel übrig. Vielmehr scheint Cecilia Gimenez dem revolutionären Credo gefolgt zu sein, dass, wo Neues entstehen soll, zunächst Altes übermalt werden muss.

 

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