Unternehmer Robert Hartlauer lacht und fotografiert in die Kamera

Porträt Robert Hartlauer

EIN LÖWE MIT BRILLE, DER IM BILDE IST

Letzten Sommer hatten wir das abwechslungsreiche Vergnügen, Robert Hartlauer, einen der letzten und zugleich größten Einzelhändler Österreichs für ein Porträt interviewen zu dürfen. Heiß war’s in Steyr, aber die Stimmung war gut, und der Apfelsaft floss in Strömen.

Ankunft

Welche Lösung bringen Sie mit?“, heißt es in großen Lettern auf dem Schild, das an der Tür des Chefbüros prangt. Es trägt das Corporate Design des Familienunternehmens und weist den Besucher freundlich, aber bestimmt darauf hin, dass in diesem Raum Initiativen und Strategien gefragt sind, Ratlosigkeit hingegen eine nachrangige Option darstellt.

„Grüß Gott, kommen‘s nur herein!“, dröhnt es freundlich aus dem Inneren der Hartlauerschen Kommandozentrale im Herzen von Steyr, auch Höhle des Löwen genannt, wo der Chef bereits persönlich auf uns wartet. An Robert Hartlauer ist alles kräftig: Seine Stimme, sein Händedruck und sogar sein Parfum, dessen markanter Duft uns bereits an der Schwelle des Büros entgegenströmt. Er strotzt vor Selbstsicherheit und Energie und scheint bis in die Haarspitzen von dem, was er macht, überzeugt zu sein. Mit Ausnahme des Tabaks vielleicht. Den würde er nach eigenen Angaben lieber lassen, schaffe es aber bis dato nicht. „Nehmen’s bitte Platz, darf ich Ihnen was anbieten?“ Wir bejahen dankend, und kurze Zeit später trinken wir gemeinsam eine Schale Kaffee und ein Glas Urltaler Apfelsaft am kreisrunden Besprechungstisch.

„Ein glücklicher Mensch ist ein besserer Verkäufer,
und ein guter Verkäufer ist auch ein guter Schauspieler,
weil er seine Persönlichkeit fest im Griff hat.“

Trotz der hochsommerlichen Affenhitze behält der Boss des Familienunternehmens, das nicht weniger als 20 Berufsgruppen in sich vereint, sein paisleygemustertes, maritimblaues Sakko wacker an. Das weiße Hemd darunter, die wuchtige Gürtelschnalle, die Blue Jeans und die ledernen Herrenhalbschuhe verleihen dem Löwen eine frische Dynamik. Nach ein paar Sätzen Vorstellungs- und Einstimmungsgeplänkel kommt er zur Sache: „Was wollen’s denn jetzt wissen von mir? Sie brauchen ja was für ihr Heft!“ Richtig, über dem angeregten Geplaudere hätten wir beinahe vergessen, weshalb wir hier waren. Wie das denn gewesen sei nach dem Tod seines Vaters, beginnen wir ernst. Er ein junger Mann im Alter von 24 Jahren und vor ihm die riesigen Fußtapfen, in die er jetzt treten solle.

MEIN VATER WAR MEIN VORBILD

Die Übernahme des väterlichen Betriebs, erklärt Robert Hartlauer, der diese Frage sicher nicht zum ersten Mal beantwortet, habe ihn trotz des raschen Ablebens seines Vaters alles andere als unvorbereitet getroffen: Bereits mit sechs Jahren habe er im Lager herumgestöbert und nach Kräften mitgeholfen. Als er neun war, habe er die ersten kleineren Verkäufe hinter der Budel getätigt und ab 13 sei er dann auf diverse Auslieferungstouren mitgefahren, in deren Zuge er das Filialnetz und die Mitarbeiter immer besser kennengelernt habe. Darüber hinaus – und davon profitiere er bis heute – habe er seinen Vater nach der eigenen Matura und Optikerlehre drei Jahre lang als Chauffeur und Zuhörender begleitet. „Auf diesen Fahrten habe ich mehr gelernt als bei jedem Wirtschaftsstudium“, erklärt Robert Hartlauer begeistert. „Mein Vater wollte eigentlich gar nicht, dass ich bei ihm lerne, er wollte, dass ich zum Studieren ins Ausland gehe und selbst entscheide, was ich einmal mache. Aber ich habe dankend abgelehnt. Er war mein Vorbild, und daher wollte ich von ihm alles erfahren, was es braucht, um als Mensch und als Unternehmer erfolgreich zu sein.“

Gesagt, getan. Und so kam es, dass der Sohn, als ihm der Vater offenbarte, wie es um seine Gesundheit bestellt war und er nun an ihn übergeben werde, das Unternehmen längst wie seine Westentasche kannte. Dass die Übergabe schlussendlich so reibungslos geklappt hat, sei wiederum dem Vater zu danken, der das Unternehmen so aufgestellt hatte, dass es auch „alleine“ funktioniert hätte. „Jeder – inklusive mir – wusste, was zu tun war, das hat er schon so geplant gehabt.“

DAS BESONDERE SIND DIE MENSCHEN

Robert Hartlauer, der mittlerweile die Leitung des Gesprächs übernommen hat und sich genüsslich die dritte Zigarette ansteckt, ist ein leidenschaftlicher Redner, Raucher und Verkäufer. „Vor dem Verkauf habe ich stets eine gewisse Hochachtung“, bekennt er, „wahrscheinlich weil ich selber lange Zeit im Verkauf gearbeitet habe. Die Verkaufsarbeit stellt viele unterschiedliche Anforderungen, die man jederzeit abrufen können muss. Zu fragen, obwohl man viel weiß, ist meines Erachtens hier eine zentrale Kompetenz.“ Dem Berufsbild des Verkäufers wird auch strukturell sehr viel Aufmerksamkeit innerhalb des Unternehmens gewidmet: In der Hartlauer Akademie haben die Mitarbeiter die Möglichkeit und unter bestimmten Voraussetzungen auch die Verpflichtung, die unterschiedlichsten Verkaufsschulungen und Persönlichkeitsentwicklungsseminare zu belegen. „Ein glücklicher Mensch ist ein besserer Verkäufer, und ein guter Verkäufer ist auch ein guter Schauspieler, weil er seine Persönlichkeit fest im Griff hat“, begründet der Löwe dieses Ausbildungsangebot.

„Im Einzelhandel muss man stets in Bewegung sein und neue Ideen und Konzepte abliefern,
um nicht irgendwann auf der Strecke zu bleiben. Das ist eine große Herausforderung, macht
aber auch den großen Reiz dieser Geschäftssparte aus, die sicher nie langweilig wird.“

Auf die Frage, was das Besondere an Hartlauer als Unternehmen sei, kommt es wie aus der Pistole geschossen: „Ganz klar, die Menschen. Die Wertigkeit von einem Lehrling und einem Geschäftsführer ist bei uns dieselbe, nur die Aufgabengebiete sind unterschiedlich. Das wird auch so gelebt. Somit wäre das Schlimmste, was dem Unternehmen passieren könnte, wenn sie ihm von heute auf morgen die Hälfte der Mitarbeiter wegnehmen. Das Know-how und die Motivation unserer Leute wäre einfach durch nichts zu ersetzen.“

UNSERE GRÖSSTEN ERFOLGE FINDEN IM KLEINEN STATT

Worauf er wirklich stolz sei, erklärt Robert Hartlauer, und beugt sich wie zur Untermauerung der nun folgenden Worte weit über den Tisch, das seien die vielen kleinen Erfolge, die Hartlauer kontinuierlich gelängen, denn große oder gar Riesenerfolge gebe es in dieser Branche nicht. „Als Familienunternehmen im Einzelhandel mit seinen zarten Spannen muss man schon ein bisschen zaubern können. Und trotz aller Schwierigkeiten schaffen wir das Kunststück, jedes Jahr substanzielle Gewinne einzufahren und durch Reinvestitionen konkurrenzfähig zu bleiben. Das taugt mir, weil es wieder an den Menschen liegt und weil das viel schwieriger ist als etwa im Immobilienbereich. Dort verdient ein Objekt rund um die Uhr Geld – auch am Wochenende –, und anfallende Kosten werden einfach an die Mieter weiterverrechnet.“ Im Einzelhandel müsse man stets in Bewegung sein, um nicht auf der Strecke zu bleiben. Das mache eben auch einen großen Reiz dieses Geschäftszweigs aus, der nie langweilig werde.

UMSPANNEN STATT ABSPANNEN

Robert Hartlauer ist kein „Workaholic“, trotz seines erheblichen Arbeitspensums. Dennoch fällt es ihm schwer, zur Entspannung einfach gar nichts zu zun. „Bei vier Töchtern kann das Motto zu Hause nur ‚Umspannen statt Abspannen‘ heißen“, sagt er und lacht laut auf. Der Löwe erdet sich, wie er sagt, am besten in der Natur (beim Camping) oder beim Handwerken. Vor ein paar Jahren habe er ein Schweißgerät angeschafft, mit dem er in seiner Freizeit gerne herumexperimentiere. „Manchmal kommen dabei Objekte heraus, manchmal auch Sitzmöbel, ist ja auch egal. Es ist wunderbar beruhigend, genauso, wie wenn man mit den Töchtern und ein paar Freunden vor dem Zelt sitzt und am Lagerfeuer Würstel grillt.“ Für seine Töchter wünscht er sich in erster Linie, dass sie glücklich werden, gesund bleiben und den richtigen Partner finden. Ob sie das Unternehmen weiterführen wollen, müssen sie selbst entscheiden. Er werde sie – nach dem Vorbild seines Vaters – keinesfalls zu etwas zwingen.

AUF ZU NEUEN REVIEREN

Der Löwe inhaliert tief und wirft einen Blick aus dem Chefbüro-Fenster hinaus in die geschäftliche Zukunft. Im Gesundheitssegment werde sich noch viel tun, so viel steht fest. Schon jetzt biete er ausgereifte Blutzucker-, Blutduck- und Schlafanalysegeräte an, doch „im Bereich der Eigenanalyse hat die Entwicklung erst begonnen.“ Außerdem verfolge er ein aussichtsreiches Immobilienprojekt (völlig unabhängig vom Kerngeschäft), von dem man hoffentlich bald mehr hören werde. Mehr wolle er dazu nicht verraten. Unser Gespräch führt uns noch weiter über die Akupunktmassage nach Penzel bis hin zu einem vielversprechenden Konzept für öffentliche Toilettenanlagen. Irgendwann wird es dann Zeit, dem Löwen adieu zu sagen. Draußen am Stadtplatz steht die Sonne bereits tief, als wir wieder heimwärts tigern.


Erschienen in Andersdenker 02/2019, ein Produkt von Aktivmedia

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